SPIRIT

In der deutschen Sprache gibt es leider keinen geeigneten Begriff für das, was Spirit wirklich meint. Die Übersetzer einschlägiger Bücher haben dafür die Lösung gewählt, das deutsche Wort Geist einfach in Großbuchstaben zu verwenden. GEIST ist also Spirit. Ich verwende lieber Spirit.
Sprachen sind Ausdruck der Tiefe einer Kultur. Das Deutsche ist in diesem Bereich besonders schwach. Das Englische etwa ist da bereits deutlich facettenreicher. Im Tibetischen gibt es sogar 22 Ausdrücke für Geist. Wer sich näher mit Spiritualität beschäftigt, wird erkennen, dass diese Vielfalt sehr hilfreich ist.
Was ist nun Spiritualität? Alexander Kaiser hat dafür eine aus meiner Sicht besonders treffliche "diesseitige" Formulierung gefunden:

"Spiritualität bedeutet, sich seiner eigenen bereits grundgelegten Einzigartigkeit bewusst zu sein, bereit zu sein, zu ent-decken, was meine Einzigartigkeit meint, bereit zu sein, die Einzigartikeit im eigenen Leben konkret zur Ent-faltung zu bringen, die Handlungen im eigenen Leben auf diese Einzigartigkeit hin zu überprüfen und zu orientieren und meine Einzigartigkeit als Gabe und Aufgabe zugleich zu sehen."


Hier nun eine andere Annäherung an den Begriff Spiritualität:

Spiritualität ist das Verlangen des Menschen nach Gott, dem All-Geist, dem Kosmischen Bewusstsein, das alles durchdringt, in dem aber auch alles enthalten ist. Jedes Wesen, das Universum, ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze oder sogar ein Sandkorn ist nichts anderes als ein begrenzter Ausschnitt des Einen Bewusstseins. Die Sehnsucht danach, die oberflächliche Trennung zwischen dem begrenzten Ich und diesem Höchsten Selbst, die Dualität, zu überwinden, ist Spiritualität.

Diese Sehnsucht ist etwas völlig Natürliches. So wie jede Pflanze sich nach dem Licht streckt oder wie ein Baby nach seiner Mutter schreit, sucht jeder aufrichtig spirituelle Mensch ununterbrochen nach der Nähe Gottes bzw. des All-Geistes. Es ist ein und dasselbe Streben, das die Pflanzen wachsen lässt, die Künstler zu ihrer Kunst inspiriert, die Revolutionäre im Kampf um die Freiheit antreibt, die Programmierer davon begeistert, freie Software zu schreiben oder den Yogi dazu anspornt, stundenlang in tiefer Kontemplation des Höchsten Seins zu verharren. Dies sind alles nur verschiedene Phasen und Aspekte auf dem Weg der Vervollkommnung, der Selbstverwirklichung.

Echte Spiritualität bietet unermessliche Freude und Glück. Sie liegt auf dem mittleren Weg zwischen oberflächlicher Genusssucht und qualvoller Askese.


Leben ist immer Leben in Beziehungen: zu sich selbst ("ich"), zum Du des anderen Menschen ("du"), zur Mitwelt der belebten und unbelebten Natur ("es") und schließlich zum großen DU dessen, der alles übersteigt und den Christen Gott nennen, Buddhisten Buddha, Hindus Krishna und nicht religiöse spirituelle Menschen den All-Geist oder noch anders. Leben gelingt, wenn diese Beziehungen von Störungen immer wieder befreit werden und an Intensität zunehmen.

Ein führender Vertreter der humanistischen Psychologie, Abraham Maslow, der die Selbstverwirklichung des Menschen als höchste Wachstumsstufe bezeichnete, fügte das Bedürfnis nach Transzendenz als Spitze seiner Bedürfnispyramide hinzu:
"Ohne das Transzendente und Transpersonale werden wir krank, gewalttätig und nihilistisch, oder dann verlieren wir die Hoffnung und werden apathisch... Wir brauchen etwas, das größer ist als wir selbst, das wir verehren und dem wir uns hingeben können."


Wie man sieht, gibt es verschiedene Wege, Spirit und Spiritualität in Worte zu fassen. Dennoch sind Worte nicht imstande, das auszudrücken, was man ganz einfach spüren muss, wenn man die höchsten Höhen der menschlichen Existenz erklimmen will. Ich versuche, auf dieser Seite Wege aufzuzeigen, in der Hoffnung, dass für jeden Besucher das enthalten sein möge, was ihm die Türe zu seiner eigenen Selbstverwirklichung möglichst weit öffnet.

Einen besonders spannenden Bereich für Menschen, die im materialistisch-mechanistischen Weltbild stehen, stellt das Thema "Science and Spirit" dar. Hier geht es in erster Linie um die modernsten Erkenntnisse der Naturwissenschaften, insbesondere der Quantenphysik, die dazu führen, dass die Trennung von Materie und Geist, die seit Descartes und Newton existiert, durch "Transzendieren und Vereinigen" überwunden wird. Dazu gibt es hier mehr.


Gebet des Heiligen Franz von Assisi

Herr, mache mich zum Werkzeug Deines Friedens:
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich Wahrheit bringe, wo Irrtum herrscht,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.
O Meister, hilf mir, dass ich nicht danach verlange:
getröstet zu werden, sondern zu trösten,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen,
geliebt zu werden, sondern zu lieben,
Denn:
Wer gibt, der empfängt.
Wer verzeiht, dem wird verziehen.
Wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.


Letztes Update: 08. 10. 2005